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Aus dem Kapitel "Genoveva"

... Carls glasige Fischaugen registrierten schemenhaft eine Kastanienallee, flanierende Menschen und dahinter eine Häuserreihe. Von irgendwoher drang Musik. Carl kannte nur Gershwin und Sinatra, den seine Mutter früher immer dann summte, wenn sie Vater subtil darauf aufmerksam machen wollte, dass es auch noch andere Männer gäbe. Die leichten, fliegenden Takte führten die angezählte Regenbogenforelle aus ihrem Trancezustand. „Das kann nur ein Kurkonzert sein“ kombinierte Carl und wähnte sich völlig zurecht wieder in Bad Ischl. Die Traun hatte ihn den ganzen Weg vom Hallstätter See zurück geschwemmt.

Er befand sich auf der Höhe der Esplanade. Neben dem Café, in dem früher Künstler wie Franz Lehár, Oscar Strauß, Herman Bahr verkehrten, stand ein Pavillon, gefüllt mit musizierenden Menschen. "Gefällt Dir diese Musik?" Carl machte vor Schreck eine Eskimorolle und kam nur mit Mühe und seinen Seitenflossen wieder in eine stabile Balance. Vor ihm schwebte Genoveva in der leichten Strömung einer mild blubbernden Traun. Sie war jung, sehr jung, aber alt genug. Und sie war schön, mit sorgfältig gekämmten Schuppen und tadellos proportionierten Flossen. "J-ja", antwortete Carl. Langes Schweigen. "Und? Willst du mir nicht sagen, wer du bist und wie du heißt?" fragte Genoveva freundlich aber mit Bestimmtheit einer Frau, die mit allen Flossen im Leben steht. "Ich heiße Carl und bin eine gebürtige, amerikanische Regenbogenforelle" presste es Carl durch seine verkrampften Lippen. "Sieh an, nicht gerade ein Desperado und Draufgänger wie man sie in alten Westernfilmen sieht" dachte Genoveva, die übrigens ein altösterreichischer Saibling mit einem Stammbaum war, der bis ins vorletzte Jahrhundert zurückreichte. Es heißt, ihr Ururgroßvater war der erste Saibling, den der damals noch jugendliche Kaiser Franz Josef der Legende nach aus einem Nebenarm der Donau bei Hainburg gezogen hatte.

Wäre Wasser ein besserer elektrischer Leiter, wären jetzt wohl alle anderen Fische in der Nähe der Beiden blitzschnell bewusstlos gewesen. Denn zwischen Carl und Genoveva funkte es nun wie bei einem gewaltigen Kurzschluss in einem alten Sicherungskasten. Was folgte, waren unbeschwerte Tage zwischen Kurkonzerten, Raftingbooten und nächtlichen Festivitäten von jungen Ischlern mit Lagerfeuern am Flussufer. Aus Genoveva wurde Veval und Carl mutierte zum unvermeidlichen Carli. Eines Morgens, als Carl seinem Veval eine fette Bremse ans Flussbett brachte, spürte er in seinem Herzen, dass etwas mit ihm nicht in Ordnung war. Eine dumpfe Vorahnung machte sich in seinem Kopf breit.


Wie die Liebesgeschichte zwischen Carl und Genoveva weitergeht?
Nun, Sie finden alles darüber und viele weitere Abenteuer von Carl in dem liebenswerten und bezaubernd geschriebenen Buch über Carl.

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